Skiweekend 2020 oder auch das letzte Wochenende in Freiheit

Eine Erzählung aus der Zeit als die Welt noch in Ordnung war. Sprich, als der 1000er und mit ihm der Herrschäftler mit freudiger Anspannung erwartet wurde und ein gemütliches Bier in einer trauten Runde noch zum guten Ton gehörte.

Dieser Bericht wird eventuell leicht durch Selbstquarantäne und Hoffnung auf einen negativen Coronatest des Verfassers beeinflusst. Nun zu den Geschehnissen, welche sich mit ziemlicher Sicherheit auch genau so abgespielt haben:

Wir schreiben Freitag den 6. März und befinden uns mit Ski/Snowboard, Rucksäcken und einige sogar dekadent mit Rollkoffern bewaffnet vor dem Volg in Fläsch. Dies ist der Anfang unseres Abenteuerwochenendes in Scuol.

Die Stimmung ist sowohl im Postauto als auch im Zug als ausgelassen zu beschreiben. Zwischen der einen oder anderen Wiederholung des Liedes „Eiermann“ war auch das eine oder andere Zischen eines neu geöffneten Hopfentees zu hören. Dabei wurde von Herzen gelacht, gelogen und gelegentlich sogar gesungen. Zusätzlich fand die erste Flasche Berliner Luft ihren Weg in einige durstige Kehlen. Wie der Autor aus sicherer Quelle erfahren konnte (Dotti), war dieses Spektakel bis auf den Perron von Scuol zu hören, was meine Brust vor Stolz durchaus etwas anschwellen liess.

In der Unterkunft angekommen fühlte sich der gesamte Verein unverwundbar, doch das Schicksal hatte für uns andere Pläne bereit…  Ganz nach dem Sprichwort: Übermut kommt vor dem Fall, wollte unser Grabenspuhler elegant aus einer Schaukel springen. Jedoch misslang ihm dieses Vorhaben gründlich. Er ist nun um ein bisschen Metall im Unterarm und einem Krankenhauswochenende reicher. Thomas verlautet danach mehrfach, diesen Fauxpas vorausgesehen zu haben, da kurz zuvor eine Nebelkrähe mit ihrer Kralle ein Kreuz auf ebendiese Schaukel geritzt haben soll.

Der Rest der Truppe mache sich dann unbeeindruckt vom zuvor Geschehen auf den Weg in Richtung einer Schirmbar in der Nähe der Unterkunft. Kaum angekommen, wurde nochmals gehörig Präsenz markiert. Die jungen und auch weniger jungen Männer des TV Fläsch gingen natürlich als Sieger aus diesem oben angedeuteten Kräftemessen hervor und freundeten sich gar mit einigen anderen Besuchern an.

Die feindselige Stimmung war dann aber zum Glück schnell verflogen und es ging feuchtfröhlich weiter. Die Truppe bewegte sich nun in Richtung des Clubs (CULT). Dort wurde gehörig weiter gefeiert. Teilweise sogar bis zum bitteren Ende… darauf wird aber zum Schutz des Betroffenen nicht weiter eingegangen. Daheim Angekommen wurde die nächtliche Stille einerseits durch ein: „Möhl dini Schwöster isch a uu huara Maus“ und durch einen unüberhörbaren Sturz aus dem oberen Doppelbett gestört…

Am Samstagmorgen geweckt durch die herrlichen Klänge des Eiermanns wurden dann die Ski/ Snowboards gerüstet. Die feinen Herren Tiger und Wiesel mieteten ihr Material direkt vor Ort. Dabei kam Tiger um einiges besser weg, denn des Wiesels Kinderski machten nicht den allerbesten Eindruck, sie sollten aber für seinen später als „Pingu“ bekannten Fahrstil durchaus genügen.

Sanft glitten dann die Skispitzen von ausgeschlafenen Wintersportfreunden durch den eben frisch gefallenen Pulverschnee. Die Ruhe wurde doch jäh von Schnupfsprüchen, wildem Gejohle und halsbrecherischen Abfahrten unterbrochen.

Die Truppe fuhr im Vergleich zu anderen Jahren viel Ski. An dieser Stelle ist noch ein Lob an die Dorothea angebracht, welche sich innert einem Jahr zu eben so einer geübten Skifahrerin gemausert hat. Natürlich wurden auch die Beizen und Bars nicht ausgelassen. Es wurde fleissig genagelt und Röteli, Bier, Jägermeister oder Braulio konsumiert.

Später am Tag wurden noch diverse Skier umplatziert. Zum Leidwesen Fremder kannten Mc Giver und Tiger die Skier ihrer Kameraden nicht mehr und so landeten halt fremde Skier auf dem Dach der „Bar la Palma“. Cèst la vie.

Danach machte der Trupp einen Besuch im Schanzenpark. Es wurde gesprungen, über Boxen gefahren und ebenfalls noch den blanken Hintern präsentiert. Auch hier wird der Herr seines Rufes wegen unerkannt bleiben. Pirmin oder Cedric (ich weiss nicht mehr welcher) legte dabei noch eine unfreiwillige Showeinlage ein.

Zu guter Letzt wurde der Pingu nochmals sehr gefordert, denn die Abfahrt war Zitat: „nur für geübte Wintersportler“ geeignet.

Unten angekommen schafften es die meisten ihr Material noch in die Unterkunft zu bringen, bevor dann der nächste Humpen gehoben wurde. Zwei oder drei Skier wurden dann erst vor der Abreise am nächsten Tag eingesammelt…

Die Stimmung war sehr gut, die Zungen wurden zum Teil etwas schwerer und die Nasen verstopfter. Doch es kam noch besser Lukas, Thomas und Marius mutierten kurzzeitig noch zu Magic Mike und liessen die Engadinerinnen schwärmen.

Kurz darauf kam es zur Raubtierfütterung. Im Nachhinein finde ich diesem Begriff sehr passend gewählt. Denn aus lauter Gier wurde sogar mit den grossen Löffeln gegessen. Es war sofern ich mich noch erinnere sehr lecker. Danke der eingesprungenen Küchenmannschaft. Leider wurde der Ämtliplan nicht ganz eingehalten… aus Gründen?

Danach folgte die Abwaschschlacht. Zu den herrlichen Klängen des Eiermanns wurde die Küche gefühlte 10x nassgespritzt, auch hier werden keine Namen genannt. Ein Stockwerk höher soll zu dieser Zeit noch jemand umhergeflitzt sein. Wer diese Person war, wissen wir leider nicht, da sein Kopf auf dem Beweisfoto unkenntlich gemacht wurde.

Gut gelaunt und in Feierlaune brach der Trupp zum zweiten Abend mit denselben Zielen wie auch schon am Freitag auf. In der Schirmbar wurde etwas getrunken und im Cult. wurde noch mehr getrunken und gefeiert. Lorena wurde kurzzeitig zu Loredana der Freundin vom Thomas und ich verweilte eine halbe Stunde mit überschlagenen Beinen auf einem Hocker vor dem Club während drinnen Greta wir wollen nicht mehr nach Kreta gespielt wurde.

Als dann alle (alle? nein jemand blieb noch zurück und schlich sich erst im Morgengarauen ins Zimmer zurück…) aber weiter im Text: als dann alle wieder daheim waren, übermannte sie einen Nacht-/Morgenhunger und die Hörnli mit Gehacktem wurden kurzerhand nochmals in der grossen Wok-Pfanne lauwarm gemacht.

In der Zwischenzeit nagten Legenden zufolge Cedric und Pirmin noch gemeinsam an einem Stück Käse.

Der letzte Tag stand ganz im Zeichen von bleichen Gesichtern und glasigen Augen. Dazu noch die herrlichen Klägen des Eiermannes und der schönen Besuch im Thermalbad. Speziell herauszuheben ist der Dampfbadbesuch und die Rückkehr unseres verlorenen Sohnes Jann Gaba.

Lieber Gruss und bis bald!!

Päda Möhl